Trauerreden und Traureden ohne Floskeln: Was eine persönliche Rede wirklich braucht
Aktualisiert: vor 7 Tagen

Eine gute Traurede oder Trauerrede muss nicht voller großer Worte sein. Sie braucht keine fertigen Bilder, keine auswendig gelernten Lebensweisheiten und schon gar keine Sätze, die man bei jeder zweiten Rede hören könnte. Persönliche Reden sollte vor allem eines sein: persönlich. Sie sollte von den Menschen erzählen, um die es geht. Von ihrem Leben, ihrer Geschichte, ihren Eigenheiten. Von dem, was sie unverwechselbar macht. Und genau deshalb sind Floskeln meistens keine gute Idee.
1. Eine Rede nach Vorlage
Eine persönliche Rede lässt sich nicht aus einem Baukasten zusammensetzen. Natürlich gibt es Strukturen, die helfen können. Ein guter Redner braucht einen roten Faden und sollte wissen, wie eine Rede aufgebaut ist. Aber zwischen einer guten Struktur und einer fertigen Vorlage liegen Welten.
Menschen sind keine Vorlagen. Eine Trauerrede sollte nicht so klingen wie die letzte Trauerrede. Und eine Traurede nicht wie die zehn Hochzeiten davor.
Das Ziel ist nicht, eine schöne Rede zu halten. Das Ziel ist, die richtige Rede für diesen Menschen oder dieses Paar zu schreiben.
2. Eine Rede mit Floskeln füllen
„Das Leben ist wie eine Reise …“
„Das Leben ist ein Theaterstück …“
„Das Leben ist wie eine Buchhandlung mit vielen Büchern …“ "Wenn wir XY mit all den Blumen auf dieser Trauerfeier vergleichen,
dann – fangen wir mit den Rosen an – ....
Solche Bilder können schön klingen. Aber als Einstieg oder gar Konzept/Leitidee in einer persönlichen Rede sind sie schwierig.
Warum?
Weil diese Metaphern zunächst nichts mit der Person oder den Personen zu tun haben, um die es geht. Sie verfehlen den Hook am Anfang – also genau das, was uns in eine Geschichte hineinzieht und sofort eine Verbindung zum Verstorbenen oder zum Brautpaar schafft.
Es sei denn, die Metapher gehört tatsächlich zu diesem Menschen.
Wenn jemand leidenschaftlich gereist ist, am Theater gearbeitet hat oder sein ganzes Leben in einer Buchhandlung verbracht hat, kann genau so ein Einstieg wunderbar funktionieren.
Dann ist es keine Floskel.
Dann ist es seine Geschichte.
Und genau darum geht es bei einer persönlichen Rede.
3. Zu viel Pathos
Eine Trauerfeier ist ein emotionaler Moment. Eine Hochzeit ebenfalls. Deshalb muss eine Rede diese Gefühle nicht noch künstlich verstärken. Zu viele große Worte, übertriebene Bilder und pathetische Formulierungen können sogar das Gegenteil bewirken: Die Rede schafft Abstand, statt Nähe. Oft ist ein einfacher Satz viel stärker.
Ein kleiner Moment. Eine Eigenheit. Ein Satz, den der Verstorbene immer gesagt hat. Eine Geschichte, bei der alle sofort wissen: Ja. Genau das war er. Das braucht manchmal weniger Worte, als man denkt.
4. Ein Lebenslauf statt einer persönlichen Rede
Geburtsort. Schule. Ausbildung. Beruf. Hochzeit. Kinder. Urlaube. Ruhestand.
All das kann wichtig sein. Aber eine Trauerrede ist kein Wikipedia-Eintrag und keine chronologische Aufzählung eines Lebens.
Bei einer Trauerrede geht es nicht darum, möglichst lückenlos zu erzählen, wie es nach der Grundschule weitergegangen ist, Viel interessanter ist doch die Frage:
Was hat diese Menschen ausgemacht?
Was hat er geliebt? Worüber konnte er sich aufregen? Was brachte ihn zum Lachen? Welche kleine Eigenheit kannten nur die Menschen, die ihm nahestanden? Dort beginnt die persönliche Geschichte.
5. Große Gedanken, die nichts mit dem Menschen zu tun haben
Eine Trauerrede darf große Fragen stellen. Gerade bei einem plötzlichen oder unerwarteten Tod können sie sogar notwendig sein.
Wie kann es sein, dass ein Mensch, der eben noch da war, plötzlich nicht mehr da ist?
Was ist passiert? Wie konnte es dazu kommen? Und wie soll man begreifen, dass dieser Mensch nicht wiederkommen wird?
Solche Fragen haben in einer Trauerrede ihren Platz, wenn sie die Fragen der Angehörigen und Freunde aufgreifen. Entscheidend ist nicht, wie groß der Gedanke ist, sondern ob er aus der Geschichte dieses Menschen heraus entsteht.
Etwas anderes sind allgemeine Lebensweisheiten, die man über jede Trauerfeier stellen könnte. Sie erklären nichts über diesen Menschen und beantworten auch nicht die Fragen der Menschen, die zurückbleiben.
Eine persönliche Rede darf durchaus über den Tod, das Leben, Liebe oder Verlust sprechen.Aber sie sollte einen Grund dafür haben.
Sie sollte bei dem Menschen bleiben, der fehlt. Bei Erinnerungen, gemeinsamen Geschichten und den kleinen Dingen, die plötzlich besonders wertvoll werden.
Sie muss den Verlust nicht kleiner machen. Sie darf zeigen, was dieser Mensch hinterlassen hat.
6. Zu viele Worte
Eine Rede wird nicht automatisch besser, wenn sie länger wird. Im Gegenteil. Je persönlicher eine Rede ist, desto genauer sollte man auswählen, was wirklich hineingehört.
Nicht jede Geschichte muss erzählt werden. Nicht jede Information ist wichtig. Und nicht jeder schöne Satz verdient einen Platz.
Gutes Redenschreiben bedeutet deshalb auch: weglassen können.
Denn manchmal bleibt gerade das hängen, was man mit wenigen Worten erzählt.
7. Wenn der Redner selbst zu wichtig wird
Eine persönliche Rede sollte nicht zeigen, wie gut der Redner formulieren kann.
Sie sollte zeigen, wer vor uns steht (Brautpaar) oder wer fehlt (Verstorbener).
Der Redner ist dabei nicht die Hauptperson. Er ist derjenige, der zuhört, sortiert, die richtigen Fragen stellt und aus vielen Erinnerungen eine Geschichte entstehen lässt.
Das erfordert mehr als schöne Formulierungen. Es braucht Aufmerksamkeit. Sprachgefühl. Empathie. Und die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen.
Was eine persönliche Rede wirklich braucht
Vielleicht braucht eine gute Trauerrede oder Traurede am Ende gar nicht so viel.
Keine großen Lebensweisheiten.
Keine austauschbaren Metaphern.
Keine Sammlung von Floskeln.
Sondern echte Geschichten, konkrete Erinnerungen und die richtigen Worte für genau diesen Menschen.
Ich möchte, dass Angehörige und Freunde am Ende einer Trauerrede sagen:
„Ja. Genau so war er.“
Und dass ein Brautpaar nach seiner Traurede denkt:
„Ja. Genau das sind wir.“
Denn genau darin liegt für mich die Aufgabe einer freien Rednerin:
Nicht eine schöne Rede über Menschen zu halten. Sondern Menschen durch ihre Geschichten sichtbar zu machen. Mehr darüber, wie ich arbeite: [Meine Arbeitsweise→]


