Den richtigen Bestatter finden
Aktualisiert: 6. Sept.

7 Fragen, die dabei helfen können, den richtigen Bestatter zu finden.
Wenn ein Mensch gestorben ist, gibt es plötzlich unglaublich viel zu entscheiden. Und manches davon muss schneller gehen, als einem lieb ist. Eine dieser Entscheidungen ist die Wahl des Bestatters. Aber woran erkennt man eigentlich, welcher Bestatter der richtige ist? Und darf man vergleichen, nachfragen und auf sein Bauchgefühl hören?
Ja. Unbedingt.
Denn auch wenn vieles rund um einen Abschied geregelt werden muss, darf dabei eines nicht verloren gehen: der Mensch, von dem ihr Abschied nehmt – und die Menschen, die zurückbleiben.
1. Fühlen wir uns gut aufgehoben?
Das klingt vielleicht nach einer einfachen Frage. Ich halte sie aber für eine der wichtigsten.
Ihr befindet euch möglicherweise in einer Ausnahmesituation. Vielleicht seid ihr traurig, erschöpft, überfordert oder wisst überhaupt nicht, was jetzt alles auf euch zukommt.
Dann sollte euch ein Bestatter nicht das Gefühl geben, funktionieren zu müssen.
Achtet darauf, wie mit euch gesprochen wird. Habt ihr das Gefühl, dass euch zugehört wird? Dürft ihr Fragen stellen? Werden Dinge verständlich erklärt? Manchmal merkt man schon nach einem ersten Gespräch: Hier bin ich gut aufgehoben. Und dieses Gefühl sollte bei der Wahl des richtigen einem Bestatters überwiegen.
2. Nimmt man sich Zeit für unsere Fragen?
Nicht jeder Mensch weiß, was bei einer Bestattung alles geregelt werden muss. Und schon gar nicht weiß man automatisch, welche Möglichkeiten es gibt. Deshalb ist es völlig in Ordnung, Fragen zu stellen. Auch solche, die euch vielleicht ganz banal vorkommen.
Was passiert als Nächstes?
Welche Entscheidungen müssen wir jetzt treffen?Was kann warten?
Welche Möglichkeiten haben wir?
Ein guter Ansprechpartner sollte euch nicht das Gefühl geben, dass ihr diese Dinge längst wissen müsstet.
Ihr dürft euch erklären lassen, was passiert. Und ihr dürft nachfragen.
3. Werden unsere Wünsche ernst genommen?
Vielleicht möchtet ihr einen ganz bestimmten Rahmen für den Abschied.
Vielleicht soll die Trauerfeier klein und familiär sein. Vielleicht wünscht ihr euch Musik, Fotos, persönliche Erinnerungen oder ein Ritual, das eine besondere Bedeutung für eure Familie hat.
Vielleicht möchtet ihr manches auch ganz anders gestalten, als es bisher in eurer Familie üblich war. Sprecht darüber.
Ein persönlicher Abschied beginnt damit, dass eure Wünsche gehört werden.
Dabei muss natürlich nicht jeder Wunsch umsetzbar sein. Aber es sollte Raum dafür geben, darüber zu sprechen.
4. Welche Möglichkeiten gibt es für die Trauerfeier?
Nicht jede Trauerfeier muss gleich aussehen. Und nicht jeder Mensch möchte denselben Abschied. Manche Familien wünschen sich eine klassische Trauerfeier. Andere möchten es ganz persönlich, vielleicht mit einer besonderen Musik, einem bestimmten Ort, Fotos, Erinnerungsstücken oder kleinen Ritualen.
Deshalb kann es hilfreich sein, sich erklären zu lassen, was überhaupt möglich ist.
Nicht, damit ihr möglichst viele Entscheidungen treffen müsst. Sondern damit ihr wisst, dass ihr Entscheidungen treffen dürft.
5. Sind die Kosten transparent und verständlich?
Über Geld zu sprechen, fällt gerade in einer Trauersituation nicht leicht. Trotzdem gehört es dazu. Lasst euch erklären, welche Leistungen enthalten sind und welche Kosten zusätzlich entstehen können.
Ihr dürft nachfragen, wenn ihr etwas nicht versteht. Und ihr dürft Angebote miteinander vergleichen. Das hat nichts mit Misstrauen zu tun. Es geht darum, eine Entscheidung treffen zu können, mit der ihr euch wohlfühlt.
Transparenz schafft Sicherheit.
6. Dürfen wir Dinge anders machen?
Vielleicht ist euch ein bestimmter Ablauf wichtig. Vielleicht möchtet ihr eine Trauerfeier, die stärker die Persönlichkeit des Verstorbenen widerspiegelt.
Vielleicht möchtet ihr nicht einfach die üblichen Worte hören, sondern erzählen, wer dieser Mensch wirklich war.
Fragt danach.
Denn ein Abschied muss nicht austauschbar sein.
Eine Trauerfeier darf die Lieblingsmusik eines Menschen enthalten. Seine Geschichten. Seinen Humor. Seine Eigenheiten. Dinge, über die man vielleicht sogar lächeln muss, obwohl gleichzeitig die Trauer da ist.
Trauer ist nicht immer nur leise und ernst. Ein ganzes Leben besteht schließlich auch nicht nur aus leisen und ernsten Momenten.
7. Stimmt die persönliche Ebene?
Am Ende bleibt vielleicht eine Frage, die sich nicht in einer Checkliste beantworten lässt:
Passt dieser Mensch zu uns?
Ihr müsst nicht erklären können, warum. Manchmal fühlt sich ein Gespräch einfach richtig an. Man fühlt sich gesehen, ernst genommen und nicht gedrängt. Und manchmal stimmt die Chemie nicht. Auch das ist vollkommen in Ordnung.
Ihr dürft euch für den Menschen entscheiden, bei dem ihr das Gefühl habt: Hier können wir vertrauen.
Noch ein paar wichtige Punkte:
Ihr dürft eure Trauerrednerin oder euren Trauerredner selbst wählen
Viele Bestattungsunternehmen arbeiten mit bestimmten Trauerrednerinnen und Trauerrednern zusammen. Das kann gut funktionieren und ist für viele Familien sicherlich eine praktische Lösung.
Aber: Ihr müsst nicht automatisch die Trauerrednerin oder den Trauerredner nehmen, den der Bestatter euch empfiehlt.
Wenn es für euch passt, umso besser! Aber ihr dürft euch auch selbst umschauen. Ihr dürft Gespräche führen. Ihr dürft jemanden auswählen, bei dem ihr das Gefühl habt:
Diese Person versteht, was uns wichtig ist.
Denn die Trauerrede ist ein ganz persönlicher Teil des Abschieds. Sie erzählt die Geschichte eines Menschen. Von seinem Leben, seinen Eigenheiten, seinen Beziehungen, seinen schönen und vielleicht auch schwierigen Seiten.
Und dafür braucht es Vertrauen.
Vielleicht kennt ihr bereits eine Trauerrednerin oder einen Trauerredner. Vielleicht findet ihr jemanden über Empfehlungen oder über die Website. Vielleicht lest ihr Texte und merkt: Das sind Worte, die sich nach uns anfühlen. Auch wenn der Bestatter vielleicht mit anderen Rednerinnen oder Rednern zusammenarbeitet.
Der Bestatter und die Trauerrednerin oder der Trauerredner haben unterschiedliche Aufgaben
Das wird vielen Menschen gar nicht bewusst. Der Bestatter begleitet und organisiert die Bestattung. Die Trauerrednerin oder der Trauerredner begleitet euch dabei, die Persönlichkeit und das Leben des verstorbenen Menschen in Worte zu fassen.
Beides ist wichtig. Aber es sind unterschiedliche Aufgaben.
Und deshalb darf auch die Frage erlaubt sein:
Wer soll unseren Menschen in seiner Lebensgeschichte erzählen?
Darauf gibt es keine Standardantwort. Es darf die Person sein, bei der ihr euch verstanden fühlt. Die zuhört. Die nachfragt. Die nicht einfach eine Rede „hält“, sondern sich wirklich mit dem Menschen beschäftigt, von dem ihr Abschied nehmt.
Ihr habt die Wahl. Das kann ein professioneller Trauerredner oder Trauerredner sein, ein Pastor oder Pastorin oder ein Freund oder Angehöriger.
Ihr müsst nicht alles beim ersten Gespräch wissen
Gerade in der ersten Zeit nach einem Todesfall kann es schwer sein, klare Entscheidungen zu treffen.
Vielleicht wisst ihr noch gar nicht, wie die Trauerfeier aussehen soll. Vielleicht kennt ihr die Wünsche des Verstorbenen nicht genau. Vielleicht habt ihr überhaupt keine Vorstellung davon, was möglich ist. Das ist in Ordnung.
Ihr müsst nicht mit einem fertigen Konzept zum Bestatter gehen.
Ihr dürft euch beraten lassen. Und ihr dürft euch Zeit nehmen, wenn etwas nicht sofort entschieden werden muss.
Ein persönlicher Abschied darf ein Zusammenspiel sein
Ein persönlicher Abschied entsteht oft durch mehrere Menschen, die zusammenarbeiten.
Der Bestatter kümmert sich um viele wichtige Dinge rund um die Bestattung. Ein Trauerredner oder Trauerrednerin kann die Lebensgeschichte des Menschen aufnehmen und daraus eine persönliche Rede gestalten. Blumen, Musik, Fotos oder andere Elemente können ebenfalls Teil des Abschieds werden.
Ihr müsst nicht alles aus einer Hand nehmen.
Ihr dürft euch die Menschen, die euch in dieser Zeit begleiten, selbst aussuchen.
Der Bestatter, die Trauerrednerin, der Florist, die Musikerin – es darf ein Team entstehen, das zu euch und zu dem Menschen passt, von dem ihr Abschied nehmt.
Dabei geht es nicht darum, wer „der Beste“ ist.
Es geht darum, wer zu euch passt. Und vielleicht ist das die wichtigste Frage von allen.
Der richtige Bestatter ist nicht unbedingt der mit dem größten Angebot oder dem schönsten Internetauftritt. Vielleicht ist es einfach der Mensch, bei dem ihr nach einem Gespräch das Gefühl habt:
Hier dürfen wir so sein, wie wir gerade sind.
Traurig.Ratlos.Still.Dankbar.Vielleicht sogar manchmal mit einem Lächeln.
Denn ein persönlicher Abschied braucht nicht nur Organisation.
Er braucht Menschlichkeit. Und manchmal beginnt genau dort der richtige Weg: bei dem guten Gefühl, mit seinen Fragen, seinen Wünschen und seiner Trauer wirklich gesehen zu werden. Mehr darüber, wie ich eine Trauerrede schreibe: [Meine Arbeitsweise als freie Trauerrednerin→]


